Wenn das Smartphone den Schlaf raubt

Ein ausreichend langer, guter Schlaf ist die Voraussetzung für körperliche und seelische Gesundheit. Dennoch schlafen, so eine Studie einer gesetzlichen Krankenkasse, weniger als vier von zehn Erwerbstätigen beispielsweise in einer typischen Arbeitswoche sechs Stunden und weniger, jeder Achte sogar nur bis zu fünf Stunden; eindeutig zu wenig. Die Studie ist auch der Frage nachgegangen, was den Menschen den Schlaf raubt.

Im Rahmen einer repräsentativen Befragung wurden 2018 etwa 4.000 Menschen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren zu ihren Schlafgewohnheiten befragt. In Auftrag gegeben wurde diese Untersuchung von der Barmer, einer gesetzlichen Krankenkasse. Durchgeführt wurde sie von dem Marktforschungs-Dienstleister Ipsos Observer.

In dieser Studie berichtete jeder Vierte vom Vorhandensein von Faktoren, die einen ungestörten Schlaf nicht zulassen. Dabei sind Stress, Sorgen und Probleme privater Natur die am häufigsten genannten Störfaktoren; doch auch gesundheitliche Probleme und berufliche Belastung wurden hier genannt. Ein Viertel hat das Gefühl, unter einer Schlafstörung zu leiden.

Smartphone macht sich im Schlafzimmer breit

Nahezu 40 Prozent der Befragten nutzen ihr Smartphone oder einen Fernseher im Schlafzimmer, wobei Personen unter 40 Jahren häufiger ein elektronisches Gerät im Schlafzimmer verwenden als über 40-Jährige. Und das hat Folgen: Personen, die ihr Smartphone oder Tablet auch im Schlafzimmer einsetzen, stimmten bei der Untersuchung den Aussagen „Neue Medien und soziale Netzwerke haben Auswirkungen auf mein Schlafverhalten“ und „Ich fühle mich getrieben, spätnachts noch oder frühmorgens schon nach Nachrichten oder Neuigkeiten zu schauen“ eher zu als andere.

Immerhin gaben 33 Prozent der Befragten, die ein Smartphone oder andere elektronische Geräte permanent im Schlafzimmer haben, an, dass sie häufig oder immer länger aufbleiben, als sie es eigentlich möchten oder ihrer eigenen Meinung nach sollten. Zum Vergleich: Bei den Befragten, die ohne Elektronik im Schlafzimmer auskommen, waren dies lediglich 15 Prozent.

„Die Digitalisierung bietet im Alltag enorme Chancen und Potenziale. Unsere Befragung zur Schlafgesundheit in Deutschland zeigt aber auch, dass es sinnvoll ist, nicht permanent online zu sein“, betont Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, in diesem Zusammenhang.

Weitere Störfaktoren

Neben den Auswirkungen der Digitalisierung sind es vor allem Stress und private Sorgen, welche bei 39 Prozent den gesunden Schlaf stören, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Gesundheitliche Probleme folgen mit 34 Prozent und danach berufliche Sorgen mit 33 Prozent.

Nächtlicher Harndrang stört bei 28 Prozent den Schlaf, finanzielle Sorgen sind es bei 23 Prozent der Befragten. Allgemeiner Lärm beziehungsweise ein schnarchender Partner stören jeweils 15 Prozent der Umfrageteilnehmer beim Schlaf. Kleine Kinder (13 Prozent) oder Albträume (neun Prozent) sind weitere Problemkreise.

Die meisten Personen, die von Schlafstörungen betroffen sind, leiden an Ein- und Durchschlafstörungen. Knapp die Hälfte von ihnen, nämlich 45 Prozent, haben sich in der Vergangenheit dazu mit ihrem Arzt beraten. In 60 Prozent dieser Fälle bestätigte sich eine Schlafstörung.

Schlafstörungen steigen an

In die gleiche Richtung geht auch ein Gesundheitsreport der DAK, einer weiteren gesetzlichen Krankenkasse. Laut dieser Studie sind in einem Zeitraum von fünf Jahren bis 2016 die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen. Unter besonders schweren Schlafstörungen leidet jeder zehnte Arbeitnehmer – das entspricht ebenfalls einem Anstieg im Fünf-Jahres-Vergleich um 60 Prozent.

Das hat Folgen auf die Krankmeldungen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von Schlafstörungen stieg laut dieser Untersuchung von 2005 bis 2015 sogar um 71 Prozent an, wobei anzumerken ist, dass die Mehrheit der Betroffenen versucht, mit den Schlafproblemen allein zurechtzukommen. Knapp fünf Prozent wandten sich überhaupt an einen Arzt. Statt den Arzt zu konsultieren, greifen viele Betroffene zur Selbstmedikation: Jeder Zweite kauft Schlafmittel ohne Rezept.

„Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln“, meint Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, und verdeutlicht: „Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.“ Dennoch müssen seiner Meinung nach die Beschwerden ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden könne. Storm dazu: „Schlafstörungen erhöhen beispielsweise das Risiko für Depressionen und Angststörungen.“

Tipps für einen gesunden Schlaf

Es gibt einiges, was man für einen gesunden Schlaf tun kann. Dass Smartphones, Tablets und Co. im Schlafzimmer nichts zu suchen haben, ergibt sich aus den oben zitierten Studienergebnissen. Verzichten sollte man ferner auf Alkohol, Koffein, Nikotin und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen.

Dafür sind entspannende Schlafrituale wie Meditation, Spaziergänge und ruhige Musik ebenso zu empfehlen wie eine Raumtemperatur zwischen 18 und 21 Grad Celsius. Zudem sollte es im Schlafzimmer dunkel und ruhig sein.

Der Verein Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) hat noch weitere Tipps unter anderem zum Schlaf im Alter, den Schlafstörungen bei Schichtarbeit und dem Thema Schnarchen in downloadbaren Ratgebern zusammengestellt. Empfehlenswert sind zudem die Informationen zu Schlafstörungen im Webportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sowie die 40 Seiten umfassende Broschüre „Nachts zur Ruhe kommen“ des BKK Bundesverbands. (verdp)

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